Dachboden ausbauen: Reihenfolge und Planung
Ein ausgebautes Dach bringt Wohnfläche ohne neues Grundstück. Damit am Ende nichts wieder aufgerissen werden muss, kommt es auf die Reihenfolge an. Hier steht, was du vorher klärst, in welcher Reihenfolge die Arbeiten folgen und was das Dach des Beispielhauses an Material braucht. Den ganzen Ausbau planst du Raum für Raum im Projektplaner.
Vorher klären
- Genehmigung. Wird aus dem Speicher Wohnraum, ist das eine Nutzungsänderung. Ob sie genehmigt werden muss, regelt die Landesbauordnung. Gauben und neue Dachfenster sind meist genehmigungspflichtig.
- Statik. Die Decke muss Estrich, Möbel und Menschen tragen. Eine alte Kehlbalkenlage oder Holzbalkendecke prüft ein Tragwerksplaner.
- Rettungsweg. Jeder Aufenthaltsraum braucht zwei Rettungswege. Der zweite ist im Dach meist ein Fenster, nach § 37 der Musterbauordnung mindestens 0,90 × 1,20 m im Lichten und höchstens 1 m waagerecht von der Traufkante entfernt. Einzelne Länder weichen ab.
- Wärmeschutz. Für die gedämmte Dachfläche gilt ein Höchstwert von U = 0,24 W/(m²K), im Gebäudeenergiegesetz wie im Gebäudemodernisierungsgesetz, das es 2026 ablöst.
- Raumhöhe. Für Aufenthaltsräume schreibt die Landesbauordnung eine Mindesthöhe über einem Teil der Fläche vor. Wie viel Wohnfläche ein Dach bringt, hängt an Kniestock und Dachneigung.
Wohnfläche unter der Schräge
Nach der Wohnflächenverordnung zählt die Fläche ab 2 m lichter Höhe voll, zwischen 1 und 2 m zur Hälfte, darunter gar nicht. Ein Kniestock von 1 m bringt deshalb viel: Schon die Fläche direkt an der Wand zählt zur Hälfte. Im Dach des Beispielhauses mit 1 m Kniestock und 45 Grad Neigung stehen 60,62 m² Grundfläche, davon werden 52,02 m² Wohnfläche.
Reihenfolge der Arbeiten
Grundregel: erst alles, was in Wände und Böden verschwindet, dann schließen, dann die Oberflächen. Nasse Arbeiten wie Estrich und Fliesen gehen vor trockenen, die Decke vor den Wänden, die Wände vor dem Boden.
- Dach dicht und gedämmt. Zwischensparrendämmung, Dampfbremse luftdicht verkleben, wie im Ratgeber Dachschräge verkleiden.
- Ständerwerk. Profile für Ständerwände, Kniestock, Decke und Schrägen setzen, Ständerwände erst auf einer Seite beplanken. Mehr dazu im Ratgeber Ständerwand bauen.
- Leitungen und Rohre. Elektro, Netzwerk, Heizung und Wasser in die offenen Wände und Böden legen.
- Schließen und spachteln. Zweite Seite der Ständerwände, Decke und Schrägen beplanken, spachteln, schleifen.
- Estrich. Mit Fußbodenheizung erst die Rohre, dann der Estrich. Er muss vor dem Belag trocken sein.
- Fliesen. Im Bad erst die Wand, dann den Boden.
- Malerarbeiten. Erst die Decke, dann die Wände.
- Boden. Laminat, Vinyl oder Parkett mit Dehnfuge am Rand.
- Feininstallation. Sockelleisten, Schalter, Steckdosen, Leuchten, Heizkörper.
Der Projektplaner stellt diese Liste für dein eigenes Projekt zusammen, nur mit den Schritten und Räumen, die du planst. Für das Dach des Beispielhauses mit Trockenbau in allen Räumen sind es 11 Schritte.
Material für das Dach des Beispielhauses
Das Dachgeschoss hat Schlafzimmer, Kinderzimmer, Gästezimmer, Bad und Flur. Alle Schrägen werden bekleidet, gedämmt und bekommen eine Dampfbremse, die flache Decke wird abgehängt. Zusammen sind das 71,1 m² Gipsplatten, also 36 Platten 1,25 × 2,00 m. Elektro in der Stufe Standard ergibt 23 Steckdosen und 8 Stromkreise. Die wichtigsten Posten aus dem Trockenbau:
| Menge | Material | Ausführung |
|---|---|---|
| 30 Stück | Gipskartonplatte GKB 12,5 mm | 1250 × 2000 mm (46 Zuschnitte, 61,39 m²) |
| 62 Stück | CD-Profil 60/27 | 4000 mm lang, Grund- und Tragprofile (216,92 m) |
| 31 Stück | UD-Profil 28/27 | 3000 mm lang, Randprofil (82,01 m) |
| 212 Stück | Direktabhänger | für CD 60/27 |
| 1268 Stück | Schnellbauschraube | 3,5 × 25 mm |
| 1 Sack | Fugenspachtel | 25 kg (21,3 kg) |
| 36 m² | Zwischensparrendämmung | 160 mm Klemmfilz |
| 40 m² | Dampfbremse | mit 10 % für Überlappungen |
| 17 m | Klebeband für die Dampfbremse | für die Überlappungen |
| 6 Stück | Gipskartonplatte GKBI 12,5 mm, imprägniert | 1250 × 2000 mm (8 Zuschnitte, 9,67 m²) |
Häufige Fragen
Braucht man für den Dachausbau eine Baugenehmigung?
Oft ja, wenn aus dem Speicher Wohnraum wird. Das ist eine Nutzungsänderung, und dafür gilt die Bauordnung deines Bundeslandes. Frag beim Bauamt nach, bevor du anfängst. Gauben und neue Dachfenster sind meist genehmigungspflichtig.
Wie viel Wohnfläche bringt ein ausgebautes Dach?
Flächen unter 1 m Höhe zählen nicht, zwischen 1 und 2 m zur Hälfte, darüber voll. Im Beispielhaus bringen 60,6 m² Grundfläche im Dach 52,0 m² Wohnfläche. Rechnen kannst du das mit dem Wohnflächenrechner.
In welcher Reihenfolge baut man einen Dachboden aus?
Erst Dach und Dämmung, dann Ständerwerk, Leitungen und Rohre, dann beplanken und spachteln, danach Estrich, Fliesen, Malerarbeiten und Boden. Zum Schluss kommen Leisten, Schalter, Steckdosen und Heizkörper.
Wie groß muss ein Fenster als Rettungsweg sein?
Nach der Musterbauordnung mindestens 0,90 × 1,20 m im Lichten, die Unterkante höchstens 1,20 m über dem Boden. Ein Dachfenster liegt höchstens 1 m waagerecht von der Traufkante entfernt. Einzelne Länder weichen davon ab.