Hydraulischer Abgleich der Fußbodenheizung
Ohne Abgleich fließt das meiste Wasser durch die kurzen Heizkreise, die langen bekommen zu wenig. Ein Raum bleibt kühl, also wird die Vorlauftemperatur hochgedreht, und die Heizung arbeitet teurer als nötig. Beim hydraulischen Abgleich bekommt jeder Kreis genau so viel Wasser, wie sein Raum braucht. Hier steht, wie du die Werte berechnest und am Verteiler einstellst.
Was der Abgleich bewirkt
Wasser nimmt den Weg mit dem geringsten Widerstand. Ein kurzer Heizkreis im Flur hat wenig Widerstand, ein langer im Wohnzimmer viel. Ohne Einstellung bekommt der Flur deshalb zu viel Wasser und das Wohnzimmer zu wenig. Das Wohnzimmer wird nur warm, wenn die Vorlauftemperatur steigt, und dann ist der Flur überheizt.
Mit Abgleich reicht die niedrigste Vorlauftemperatur, bei der jeder Raum warm wird. Bei einer Wärmepumpe spart das deutlich, denn sie arbeitet mit jedem Grad weniger effizienter. Außerdem läuft die Pumpe ruhiger und die Ventile rauschen nicht.
Durchfluss je Heizkreis berechnen
Der Durchfluss hängt an zwei Zahlen: der Wärme, die der Kreis abgeben soll, und der Spreizung, also dem Unterschied zwischen Vor- und Rücklauf. Ein Liter Wasser transportiert je Kelvin 1,163 Wattstunden.
Ein Raum mit 1.200 W bei 5 K Spreizung braucht 206 l/h, das sind 3,4 l/min. Bei der Fußbodenheizung geht zusätzlich Wärme nach unten in die Decke oder ins Erdreich. Die DIN EN 1264-3 rechnet sie beim Durchfluss mit ein. Im Beispiel unten sind das im Wohnzimmer über dem Keller 29 Prozent mehr: statt 3,5 l/min fließen 4,5 l/min durch die beiden Kreise.
Warum nicht alle Kreise gleich viel bekommen
Alle Kreise bekommen dieselbe Vorlauftemperatur. Der Raum, der am meisten Wärme je m² braucht, legt sie fest und bekommt 5 K Spreizung. Räume, die weniger brauchen, bekommen weniger Wasser. Ihr Rücklauf kühlt stärker ab, die Spreizung wird größer. Ein Beispiel mit vier Räumen und 6 Heizkreisen, 35 °C Vorlauf und 45 W/m²:
| Kreis | Raum | Leistung | Spreizung | Durchfluss |
|---|---|---|---|---|
| HK 1 | Wohnzimmer | 608 W | 5,0 K | 2,3 l/min |
| HK 2 | Wohnzimmer | 608 W | 5,0 K | 2,3 l/min |
| HK 3 | Küche | 540 W | 8,5 K | 1,2 l/min |
| HK 4 | Arbeitszimmer | 236 W | 5,8 K | 0,8 l/min |
| HK 5 | Arbeitszimmer | 236 W | 5,8 K | 0,8 l/min |
| HK 6 | Bad | 282 W | 5,0 K | 1,1 l/min |
Würde man den Gesamtdurchfluss von 8,3 l/min einfach gleich verteilen, bekäme jeder Kreis 1,4 l/min. Die Wohnzimmerkreise hätten zu wenig, die Kreise im Arbeitszimmer viel zu viel. Das Bad liegt mit 21 W knapp unter seinem Bedarf, ein kleiner Handtuchheizkörper gleicht das aus.
Am Verteiler einstellen
Am Vorlaufbalken des Heizkreisverteilers sitzt für jeden Kreis ein Durchflussanzeiger mit Schauglas. Darin zeigt ein Schwimmer den Durchfluss in l/min. Durch Drehen am Anzeiger oder am Ventil darunter wird der Kreis gedrosselt. Am Rücklaufbalken sitzen die Ventile für die Stellantriebe der Raumthermostate.
- Durchfluss je Kreis berechnen, zum Beispiel mit dem Fußbodenheizung-Verlegeplan.
- Alle Raumthermostate ganz aufdrehen, damit alle Stellantriebe offen sind.
- Die Heizung auf Normalbetrieb stellen und die Pumpe laufen lassen. Bei einer Pumpe mit Konstantdruck die Förderhöhe passend zum längsten Kreis wählen.
- Alle Durchflussanzeiger einstellen, mit dem größten Wert beginnen. Jede Änderung verschiebt die anderen Kreise ein wenig.
- Nach dem letzten Kreis alle Werte noch einmal prüfen und nachstellen, bis sie passen.
- Ein paar kalte Tage beobachten. Erst wenn alle Räume warm werden, die Heizkurve schrittweise senken.
Bei manchen Verteilern sitzt die Einstellung am Rücklauf und nicht am Durchflussanzeiger. Wie dein Modell eingestellt wird, steht in der Anleitung des Herstellers.
Druckverlust und Pumpe
Die Pumpe muss den Kreis mit dem größten Druckverlust schaffen. Er hängt vom Rohr, der Länge und dem Durchfluss ab. Im Beispiel sind es 134 mbar. Als Obergrenze je Kreis nennt zum Beispiel ein Rohrhersteller 250 mbar. Kurze Kreise mit wenig Druckverlust werden am Verteiler stärker gedrosselt, damit alle zusammen passen.
| Durchfluss | 14 × 2 | 16 × 2 | 17 × 2 | 16 × 2, 100 m |
|---|---|---|---|---|
| 1,0 l/min | 98 Pa/m | 41 Pa/m | 28 Pa/m | 41 mbar |
| 1,5 l/min | 199 Pa/m | 84 Pa/m | 57 Pa/m | 84 mbar |
| 2,0 l/min | 329 Pa/m | 138 Pa/m | 94 Pa/m | 138 mbar |
| 2,5 l/min | 486 Pa/m | 204 Pa/m | 140 Pa/m | 204 mbar |
| 3,0 l/min | 668 Pa/m | 281 Pa/m | 192 Pa/m | 281 mbar |
Druckverlust bei rund 32 °C Wassertemperatur, gerechnet nach Blasius. Die Werte passen auf wenige Prozent zu den Tabellen der Rohrhersteller.
Abgleich ohne Berechnung
Oft wird der Durchfluss einfach nach der Rohrlänge verteilt: langer Kreis, mehr Wasser. Das ist besser als gar nichts, trifft aber nur, wenn alle Räume gleich viel Wärme je m² brauchen und dieselbe Raumtemperatur haben. Ein Bad mit 24 °C, ein Raum mit großer Fensterfront oder ein Raum über einem kalten Keller passen dann nicht. Genauer wird es, wenn man vom Wärmebedarf jedes Raums ausgeht.
Häufige Fragen
Wie viel l/min pro Heizkreis bei der Fußbodenheizung?
Meist zwischen 0,5 und 3 l/min. Der genaue Wert ergibt sich aus der Leistung des Kreises und der Spreizung. Ein Kreis mit 600 W bei 5 K braucht rund 1,7 l/min, mit der Wärme nach unten etwas mehr.
Muss man eine Fußbodenheizung hydraulisch abgleichen?
Ohne Abgleich bekommen die kurzen Kreise zu viel Wasser und die langen zu wenig. Damit alle Räume warm werden, muss die Vorlauftemperatur dann höher sein als nötig. Gerade mit Wärmepumpe kostet das jedes Jahr Strom.
Was zeigen die Durchflussanzeiger am Verteiler?
Den Durchfluss des Kreises in Litern je Minute. Der Schwimmer im Schauglas steht auf dem aktuellen Wert, sobald Pumpe und Stellantrieb laufen. Steht er bei offenem Stellantrieb auf null, ist der Kreis zu oder verstopft.